Trainer werden ist nicht schwer, Trainer sein dagegen sehr

Eines hat sich in den letzten Lehrgängen, die ich begleiten durfte, wieder gezeigt: Viele Trainerinnen und Trainer kommen zum Trainerjob wie die Jungfrau zum Kinde. In Zeiten des Trainermangels sind es vor allem Elternteile oder ehemalige aktive Vereinssportler, die aus der Not eine Tugend machen und sich für die Trainerarbeit bereiterklären. Doch Trainer sein und Trainer sein sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Was kommt da eigentlich auf mich zu?

Trainerjob ist Führungsposition
Eine Mannschaft braucht Führung. Daraus ergibt sich beinahe von selbst, dass ein Trainerjob eine Führungsposition ist. Doch nicht jeder Mensch ist der geborene Anführer, der Leader. Viele sträuben sich auch genau vor dieser Aufgabe. Und das völlig zurecht. Denn diese Führungsposition bedeutet nicht nur, eine Gruppe von Menschen anzuleiten, sondern auch, für diese eine riesige Verantwortung zu übernehmen - im Kinder- und Jugendsport noch mehr, als im Erwachsenenbereich. Schließlich können letztere meist ganz gut selbst für sich sorgen. 

Trainerinnen und Trainer besitzen dazu eine enorme Macht gegenüber ihrer anvertrauten Mannschaft. Mit dieser sehr bewusst und schlussendlich nur zum Wohle der Mannschaft umzugehen ist ebenso eine Grundaufgabe wie die, Entscheidungen zu treffen. Auch das ist mitnichten immer einfach und schnell getan - muss sorgfältig abgewägt werden.

Zusammenfassend sind drei einfache Regeln aufstellbar:

1. eine Gruppe braucht Führung
2. ohne Führung entsteht ein Führungsvakuum, welches sich irgendwann "von selbst" füllt
3. Führen bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen.


Ohne Führung kein Erfolg
Eine Gruppe braucht Führung. Schließlich müssen die Mitglieder der Gruppe wissen, welches Ziel sie erreichen sollen und wie sie genau zu diesem Ziel gelangen können. Je eindeutiger die Führungsposition des Trainers / der Trainerin ausgeübt wird, desto leichter werden die Teamziele erreicht werden. Klare Regeln, Konsequenz und Richtung vorgeben!


Wenn keiner will, wird es einer tun
Ein Führungsvakuum entsteht, wenn eine Gruppe längere Zeit ohne Führung besteht oder bestehen muss. Früher oder später wird dieses Vakuum ausgefüllt werden, werden Personen diese freie Position für sich beanspruchen. Dabei besteht die Gefahr, dass genau diese Person gar nicht in der Lage ist, die Position adäquat auszufüllen. Dann verlieren alle: Spieler, Trainer und Verein.


Entscheidungen:  mach es nur einem recht!
Wer Verantwortung für eine Gruppe übernimmt hat auch Entscheidungen zu treffen. Diese müssen nicht immer populär sein, jedoch jederzeit im Sinne der Mannschaft getroffen werden. Das Wohl des Einzelnen ist dann klar dem Mannschaftswohl unterzuordnen. Eines ist klar: Bei jeder Entscheidung wird es jemanden geben, der damit nicht einverstanden ist. Versucht als Trainerinnen und Trainer daher gar nicht erst, es allen recht zu machen.
Macht es nur einem recht: Euch selbst! Ihr müsst mit der getroffenen Entscheidung zufrieden sein und ihr müsst die Entscheidung euch und eurer Mannschaft gegenüber rechtfertigen können.

Trainertypen und Führungsstile
Unterschieden werden zwei Typen von Trainern. Der humanistische und der behaviorstisch agierende Trainer.  Dem humanistischen Trainer geht es allem voran um das Wohlergehen seiner Schützlinge. Die Entwicklung und Förderung des Spielerpotentials steht bei ihm an erster Stelle. Sein Führungsstil ist kooperativ und er zeigt Interesse an den persönlichen Belangen der Sportler.

Dem behavioristischen Trainer stellt den Erfolg der Mannschaft über alles. Oftmals wird mit Belohnungen und Bestrafungen gearbeitet, um erwünschtes oder unerwünschtes Verhalten zu provozieren. Zwischenmenschliche Beziehungen haben hier meist nur geringen bis gar keinen Stellenwert. Dieser Trainertyp ist daher auch vermehrt im Leistungssport zu finden.

Neben den Trainertypen werden auch verschiedene Führungsstile im Sport unterschieden. In der Praxis zeigt sich, dass keiner dieser Stile in seiner reinen Form allein vorkommt. Oft ist eine Mischung aus den verschiedenen Führungsstilen von Nöten - je nachdem, welche Mannschaft und Einzelcharaktere man vor sich hat.

Der autoritäre Stil
Autoritäre Trainer dulden keine Diskussion, ein Mitspracherecht gibt es für die Spieler quasi nicht.
Die Spieler haben den Anweisungen zu folgen und müssen, bei schlechten Leistungen, mit Konsequenzen rechnen. Dieser Führungsstil ist durch Strenge und häufige Kontrollen - bis zum Kontrollwahn - gekennzeichnet.


Der demokratische Stil
Auch der demokratische Trainer ist leistungsorientiert. Allerdings verhält dieser sich seinen Spielern gegenüber gemeinschaftlicher. Er setzt auf Dialog, diskutiert und sucht gemeinsam mit seinen Spielern nach einer Lösung. Er bezieht Sie in Entscheidungen mit ein und sorgt so für ein gewisses Mitspracherecht.


Der beziehungsorientierte Stil
Dieser Stil ist eher im Breitensport anzutreffen. Dem Trainer geht es weniger um die Leistung an sich, sondern darum, dass die Freude am Sporttreiben in den Fokus der Spieler rückt.  Zwischenmenschliche Kontakte werden gepflegt und gefördert, auf Wünsche der Spieler wird eingegangen.


10 goldene Führungsregeln
Diese Zehn Regeln der Führung (nach FIEDLER, 2001) sollen die Führungsthematik abschließen.

1. Visionen
2. Ausgearbeitete Pläne
3. Energie
4. Das gute Beispiel sein
5. Klare Rollenverteilung
6. Offene Kommunikation
7. Schnelle Konfliktlösung
8. An die Grenzen führen
9. Den Respekt der anderen erwerben
10. Natürlichkeit

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