Leistungsmotivation im Sport (Teil 1)

Keine Höchstleistung ohne die entsprechende (eigene) Leistungsmotivation. Diese Weisheit ist so simpel wie bekannt. Doch was ist Motivation eigentlich, welche Motive verfolgen Menschen und was sollten Trainer wissen, wenn sie ihre Sportler motivieren wollen?
Teil I zum Thema Leistungsmotivation!

Motive - von der Vorliebe zur Eigenmotivation
Motive sind individuelle Vorlieben, sich mit bestimmten Anreizen auseinanderzusetzen. Jeder Mensch wird von drei Grundmotiven geleitet: dem Anschlussmotiv, dem Machtmotiv und dem Leistungsmotiv. Was genau aber bedeutet es, anschluss-, macht- oder leistungsmotiviert zu sein?


Anschlussmotivation

Anschlussmotivierte Menschen streben nach Geselligkeit und zielen darauf ab, Beziehungen zu Menschen aufzubauen und zu pflegen. Sie sind kontaktfreudig und haben meist einen großen Bekanntenkreis. Oft sind anschlussorientierte Menschen in Vereinen und Gruppen aktiv.


Machtmotivation
Personen, die ihre Motivation aus Macht ziehen, wollen andere Menschen führen, beeinflussen und kontrollieren. Sie stehen gern im Mittelpunkt und leisten sich teure Luxusartikel. Oftmals beanspruchen sie hohe Ämter oder Führungspositionen für sich und pflegen ein ausgeprägtes Prestigedenken.


Leistungsmotiv
Das Leistungsmotiv ist besonders im Sport nicht wegzudenken da es die Grundsituationen darstellt, welche im Sport allgegenwärtig auftreten. Leistungsmotivierte Menschen messen sich gern mit anderen, mögen Konkurrenzsituationen und streben danach, besser zu sein als andere. 

HECKHAUSEN (1974) beschreibt fünf Kriterien, die eine Leistungshandlung erfüllen muss:
1. Die Handlung muss ein messbares Ergebnis hinterlassen
2. Die Handlung muss an Maßgaben der Güte oder Menge bewertbar sein
3. Die Anforderungen dürfen weder zu leicht, noch zu schwer sein
4. Die Bewertung des Ergebnisses muss sich auf einen Vergleichsmaßstab beziehen
5. Die Handlung muss vom Handelnden gewollt und selbst erbracht worden sein


Von expliziten und impliziten Motiven
Die Art der Anreize, mit den sich Menschen mit besonderer Vorliebe auseinandersetzen, sagen viel darüber aus, ob sie eher anschluss-, macht- oder leistungsmotiviert sind. Einige dieser Vorlieben sind uns ganz bewusst und werden explizite Motive genannt. Neben diesen besitzen wir allerdings noch die sogenannten impliziten Motive, welche wir nicht direkt benennen oder steuern können. Das liegt vorrangig daran, dass wir diese Vorlieben bereits im frühen Kindesalter erlernen, ohne es bewusst zu merken. 

Explizite Motive = bewusste Vorlieben
Implizite Motive = unbewusste Vorlieben

Frage: Warum ist diese Unterscheidung so wichtig?
Antwort: Explizite und implizite Motive müssen nicht übereinstimmen!

Bsp: Jakob spielt seit einigen Jahren in der zweiten Mannschaft eines Handballvereins. Mit vielen seiner Mannschaftskameraden pflegt er auch in seiner Freizeit Kontakt, gemeinsam wird viel unternommen. Jakobs Ziel ist es, in die erste Herrenmannschaft aufzusteigen und dort den Sprung in den leistungsorientierten Sport zu schaffen. Aktuell ist er in Bestform und eine wichtige Stütze seines Teams. Für die nächsten Meisterschaftsspiele hat sich der Cheftrainer der ersten Mannschaft angesagt um Jakob zu beobachten. Ohne ersichtlichen Grund zeigt Jakob in den darauf folgenden Wettkämpfen nur noch mittelmäßige Leistungen. Woran könnte das liegen?

Jakob könnte explizit leistungsmotiviert, implizit aber anschlussmotiviert sein. Seine expliziten (bewussten) Motive sind Leistung und Erfolg. Sein Ziel ist der Aufstieg in die erste Mannschaft. Dies würde aber bedeuten, dass er mit seinen Freunden nicht mehr in einem Team trainieren und spielen würde. Dies widerspricht seiner impliziten Anschlussmotivation. Dieser innere Konflikt führt zu einem Leistungseinbruch.


Welche Schlüsse leiten sich daraus ab?
Gerade für Trainer ist es nun wichtig herauszufinden, welche Art der Motivation bei den zu betreuenden Sportlern zugrunde liegen. Erst dann ist es möglich, die Leistung allumfassend beurteilen, lenken und dadurch die Motivation steigern zu können. Hilfe können dabei Messverfahren wie der Achievement Motive Scale oder der Sport Orientation Questionaire bieten. Diese sollten gemeinsam mit einem Sportpsychologen oder einem Sportmentaltrainer eingesetzt und ausgewertet werden.


Quelle: Motivationstraining (Dr. Maite Iriarte Rego)
Teil 2 erscheint am Montag, den 12.12.2016

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