Trainingsweltmeister - warum der kopf entscheidend ist

Mit diesem Artikel beginne ich meinen Internetblog. Hier möchte ich dir die Möglichkeit geben, an meinen Erfahrungen, Gedanken und Ideen aus den Bereichen Sportmentaltraining, Life Kinetik und Fußball teilzuhaben. Kommentare und Diskussionen dazu sind jederzeit erwünscht.

Lass uns heute über Paul reden. Paul ist Trainingsweltmeister - und das ist nicht schön!

Foto: Erkan Sibka, flickr.com
Foto: Erkan Sibka, flickr.com

Paul ist elf Jahre alt und spielt für sein Leben gern Fußball. Bereits mit sechs Jahren hat er im Verein begonnen, dem runden Leder hinterher zu rennen und kickt auch in seiner Freizeit gern mit seinen Freunden.

Paul könnte auch Leon, Fritzchen oder Niklas heißen und steht für ein Phänomen, dass den meisten hinlänglich bekannt ist. Paul ist ein sogenannter Trainingsweltmeister.

Was auf den ersten Blick positiv klingt ist für die Betroffenen, ob Kind oder Erwachsener, oft sehr belastend und raubt mitunter den Spaß am eigentlich so gern ausgeführten Sport.


Was ist ein Trainingsweltmeister...

Sie sind in jedem Training voll dabei, fokussiert und talentiert zeigen sie meist sehr gute Leistungen und gehören zu den Besten. Sie haben Spaß an dem, was sie tun und strahlen dies auch aus. Es macht Freude, ihnen zuzusehen.

Doch kaum rückt der Wettkampf näher, sinkt die Leistung rapide ab. Denn jetzt ist es Realität, kein Training mehr. Jetzt kommt es drauf an. Jetzt muss die Leistung stimmen. Furcht und Angst lassen sich nicht mehr beherrschen. Die Folge ist klar: Das Leistungspotential kann nicht mehr abgerufen werden und das führt langfristig zu Demotivation, verringertes Selbstbewusstsein und schließlich zu weiteren, schlechten Leistungen. Ein Teufelskreislauf beginnt....

So geht es auch Paul. Paul (oder Leon, Fritzchen, Niklas, ...) spielt in der Kreisliga. Seine Trainer sehen Ihn als einen der besten Spieler des Teams wenn er zweimal die Woche mit Ihnen trainiert. Er passt, er schießt, er dribbelt wie kaum ein Zweiter und freut sich, Woche für Woche neue Dinge lernen und ausprobieren zu können.

Doch kaum ist der Samstagmorgen da, ist von dem sonst so selbstbewussten Fußballer nicht mehr viel übrig. Er wirkt schon beim Frühstück nervös, ist in sich gekehrt und scheint auch nicht so, als konnte er sonderlich gut schlafen.

Samstag ist Spieltag - und das weiß auch Paul. Heute geht es gegen das Nachbardorf, Zweiter gegen Dritter. Mit einem Sieg können Paul und seine Kumpels an den Erzrivalen vorbeiziehen. Bei einer Niederlage müssen sich die Jungs die Sprüche der Gegner am Montag in der Schule anhören.


Ursachen sind vielfältiger Natur...

Schon hier kann eine Ursache dafür liegen, dass Paul sein Leistungspotential im Wettkampf nicht mehr abrufen kann. Ist es die Angst, am nächsten Schultag von den im Gegnerteam spielenden Klassenkameraden gemobbt zu werden?

Die möglichen Ursachen sind genau so unterschiedlich, wie jeder Mensch selbst:
- Versagensangst (was ist wenn ich etwas falsch mache?)
- Angst vor Niederlagen (was ist, wenn wir ausgerechnet heute verlieren?)
- zu hohe Erwartungen von außen (Mein Vater wird sauer wenn ich schlecht spiele!)
- zu hohe eigene Erwartungen (Ich muss heute allen zeigen, dass ich es kann!)
- Perfektionismus (Ich will der Beste von allen sein!)

Es sind diese Dinge, mit denen sich Sportmentaltrainer befassen. Die Ursachen zu finden und diese planvoll und systematisch abzustellen, das Selbstwertgefühl zu steigern und damit wiedererstarkte Sportler zu formen ist das Ziel! Sportmentaltraining kann helfen - wichtig ist lediglich, dass der Sportler bereit ist, sich seinen Ängsten zu stellen. Nur wer das schafft, wird diese auch Überwinden können.


Wie das funktioniert...

Im Fall von Paul ist es interessant zu wissen, warum er sich ursprünglich für den Fussballsport entschieden hat. Hatte er einfach Spaß daran, war es dem überehrgeizigem Vater geschuldet oder hat ihm vielleicht jemand gesagt, er solle diesen Sport mal ausprobieren?

Wenn es der Spaß war, der ihn seit nunmehr fünf Jahren dazu treibt, Woche für Woche diese Sportart auszuüben, ist das natürlich die Beste aller Möglichkeiten! Doch warum schafft er es nicht, sich im Wettkampf so zu präsentieren, wie im Training?

Alle Menschen beschäftigt die Frage, ob sie gut genug sind. Das geht dem elfjährigen genau wie dem 50-jährigen so. "Sind meine Eltern auch stolz auf mich, wenn ich nicht gewinne?" - "Was denken wohl die anderen, wenn ich heute verliere?"


Ergebnisse sind Schall und Rauch...

In unserer heutigen Gesellschaft steht leider das Ergebnisdenken weit über dem Gedanken der persönlichen Entwicklung. Der Sieger wird bejubelt aber der Zweitplatzierte ist schon der erste Verlierer. Je früher solche Gedanken und Erwartungen an Sportler herangetragen werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Sportler mit den genannten Problemen und Ängsten in Berührung kommen. Ein absoluter Entwicklungshemmer!


Der Weg ist das Ziel...!

Nicht das Ergebnis von heute und morgen ist wichtig sondern das Ziel, dass jeder Einzelne im Sport hat. Stelle dir die Frage, was du erreichen willst und nimm dies als Grundlage deines Tuns. Dieser Rat geht nicht zuletzt auch an alle Eltern, die ihre Kinder nachhaltig im Sport entwickeln möchten!


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